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11. Lehrer
In Kürze
Autoren: Mareike Kunter, Britta Pohlmann
Inhalt
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11.1 Merkmale des Lehrerberufs
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11.2 Kognitive Merkmale: Wissen und Überzeugungen
- 11.3 Motivationale Merkmale
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11.4 Emotionale Merkmale: Beanspruchungserleben
- 11.5 Veränderung von Lehrermerkmalen
Worum geht's?
Lehrer sind zentrale Akteure im Bildungssystem. Dass sie einen substanziellen Einfluss auf das Lernen und die Entwicklung ihrer Schüler haben können, ist auch aus empirischer Sicht unstrittig. Forschung zum „Lehrereffekt" zeigt, dass Schüler auch bei gleichen persönlichen Voraussetzungen innerhalb einer Schule systematische Unterschiede in ihren Leistungsentwicklungen zeigen, je nachdem, von welcher Person sie unterrichtet werden. Warum jedoch manche Lehrpersonen erfolgreicher als andere sind und welche persönlichen Voraussetzungen dies bestimmen, wird in diesem Kapitel näher betrachtet.
Angesichts der zentralen Bedeutung, die Lehrern zugesprochen wird, ist es erstaunlich, dass die Pädagogische Psychologie bisher nur vereinzelt die Lehrenden selbst in den Mittelpunkt ihrer Forschung gestellt hat. Es existieren nur wenige Arbeiten, die sich mit den persönlichen Voraussetzungen erfolgreicher Lehrkräfte beschäftigen oder die Konzepte verfolgen, um Lehrkräfte bei der Entwicklung dieser Voraussetzungen und Kompetenzen zu unterstützen. So stehen den zahlreichen Alltagsannahmen über die Merkmale guter Lehrkräfte nur sehr wenige aussagekräftige empirische Befunde gegenüber. Das Anliegen dieses Kapitels ist es, den Lesern einen Eindruck über den aktuellen Kenntnisstand in der pädagogisch-psychologischen Lehrerforschung zu geben und aufzuzeigen, in welchen Bereichen gesicherte Erkenntnisse vorliegen. Speziell soll auch darauf hingewiesen werden, in welchen Bereichen noch deutliche Wissenslücken zu konstatieren sind.
Um die Leser auf das Thema Lehrer einzustimmen, liefern das Kapitel zunächst eine Art Anforderungsanalyse, die die typischen Herausforderungen des Lehrerberufs beschreibt. Anschließend werden Ansätze der pädagogisch-psychologischen Lehrerforschung zusammengefasst und erläutert, welche Merkmale von Lehrern bisher in der Forschung Aufmerksamkeit fanden. Das Kapitel schließt mit einer Beschreibung von Ansätzen zur Veränderung von Lehrermerkmalen.
Zusammenfassung
Die Pädagogische Psychologie beschäftigt sich mit den psychischen Prozessen, die sich innerhalb von pädagogischen Situationen abspielen. Die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Erleben und Handeln von Lehrern ist daher aus mindestens zwei Gründen relevant.
Zum einen sind Lehrkräfte maßgeblich dafür verantwortlich, die Lernprozesse von Schülern zu steuern und zu begleiten. Es können verschiedene Merkmale der Lehrkräfte ausschlaggebend dafür sein, wie gut ihnen die Gestaltung von unterrichtlichen Lernsituationen gelingt. Eine umfangreiche Wissensbasis über fachliche Inhalte, Methoden und Lernprozesse scheint hilfreich zu sein, um adaptiv auf Bedürfnisse der Lernenden einzugehen. Gleichzeitig weisen viele empirische Befunde darauf hin, dass die Wahrnehmung und Interpretation von Unterrichtsgegebenheiten häufig durch spezifische Überzeugungen der Lehrenden beeinflusst werden und ihr Handeln bestimmen. Diese Überzeugungen können - wie am Beispiel der Erwartungseffekte gezeigt wird - somit Einfluss auf das Lernen und Verhalten der Schüler nehmen. Dass sich neben kognitiven Aspekten auch motivational-emotionale Lehrermerkmale wie die Freude an der Tätigkeit oder die erlebte Beanspruchung auf das unterrichtliche Handeln auswirken können, wird durch neure Forschungsergebnisse belegt.
Das Verhalten und Erleben von Lehrern ist aber auch aus einem weiteren Grund ein wichtiges Thema für die Pädagogische Psychologie. In neueren Ansätzen wird durchgängig davon ausgegangen, dass nicht angeborene Talente, sondern berufsspezifische erlernbare Kompetenzen entscheidend sind für eine erfolgreiche Berufsausübung. Es existieren daher verschiedene Ansätze zur Aufrechterhaltung, Verbesserung und Erweiterung von Handlungs- und Unterrichtskompetenzen, die sich in Form praxisorientierter Trainingsprogramme an Lehramtsstudierende, Referendare und ausgebildete Lehrkräfte richten. Lehrer rücken somit selbst als Lernende in den Fokus pädagogischer Interventionen - aus empirischer Sicht ist dieses Thema noch längst nicht erschöpfend erschlossen.
Die Lehrerforschung wurde lange Zeit durch die Diskussion um „den guten Lehrer" geprägt und von Fallstudien sowie qualitativen Analysen dominiert. In den letzten Jahren ist vermehrt der Trend zu beobachten, stärker quantitativ ausgerichtete Ansätze zu verfolgen und die Generalisierbarkeit der Befunde in besonderer Weise zu berücksichtigen. Die meisten der aktuell vorliegenden Befunde stammen allerdings aus querschnittlichen Designs und beruhen größtenteils auf Selbstberichten. Für die zukünftige Forschung sind daher insbesondere längsschnittlich angelegte Studien oder Interventionsstudien erforderlich, um Wirkzusammenhänge nachzuweisen und die Nachhaltigkeit der vermuteten Effekte sicherzustellen.