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In Kürze

Autorin: Judith Gerber

Inhalt

  • 16.1 Was ist Frühförderung?
  • 16.2 Phasen der Frühförderung
  • 16.3 Ziele, Arbeitsprinzipien und Formen der Frühförderung
  • 16.4 Spezifische Anlässe und Methoden der Frühförderungen

© Veit Mette. www.veitmette.deWorum geht's?

Der Begriff der Frühförderung hat sich in Deutschland seit den 1970er Jahren als Bezeichnung für die umfassende Hilfe für Familien mit Säuglingen, Kleinkindern und Kindern mit Behinderungen, Entwicklungsauffälligkeiten und -verzögerungen von der Geburt bis zum Schuleintritt etabliert.

Die große Bandbreite an Problemen, die im Rahmen einer Frühförderung behandelt werden, machen medizinische, pädagogische, psychologische und sozialrehabilitative Maßnahmen nötig, die es Kindern und Eltern ermöglichen, in angemessener Weise am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Die Vielzahl an möglichen Problemen, mit denen die Betroffenen zu kämpfen haben, macht ebenso wie die große Altersspanne, innerhalb der eine Vielzahl an Entwicklungsschritten durchlaufen wird, eine enge Zusammenarbeit unterschiedlichster Professionen notwendig, deren Handlungsgrundlagen in den unterschiedlichsten Disziplinen verankert sind. Diese Komplexität führt dazu, dass im Rahmen dieses Kapitels weder ein einheitliches Bild von der Frühförderung gezeichnet noch eine systematische Darstellung einer Theorie der Frühförderung dargelegt werden kann.

Ziel der Frühförderung ist es im jeweiligen Einzelfall alle notwendigen Maßnahmen auf die individuelle Lage des Kindes und der Familie abzustimmen. Der Schwerpunkt dieses Kapitels liegt auf Maßnahmen, die aus pädagogisch-psychologischer Sicht in den Bereich der Frühförderung fallen. So wird verhältnismäßig kurz über die Maßnahmen bei körperlichen und geistigen Behinderungen berichtet, die stark medizinisch und heilpädagogisch ausgerichtet sind. Ausführlicher werden im zweiten Teil die Fördermöglichkeiten kognitiver, sozialer und emotionaler Fähigkeiten aufgezeigt, die insbesondere bei Kindern zum Tragen kommen können, die von Beeinträchtigungen bedroht, aber noch nicht betroffen sind. Im letzten Teil wird auf Evaluation im Bereich der Frühförderung eingegangen.

 Zusammenfassung

Unter dem Begriff der „Frühförderung" werden in der Literatur unterstützende Maßnahmen im medizinisch-therapeutischen, pädagogischen und psychologischen Bereich für Familien mit behinderten bzw. von Behinderung bedrohten Kindern im Vorschulalter verstanden. Neben den unterschiedlichen defizitspezifischen Behandlungsmethoden zählen per Definition auch die Verbesserung der Lebensqualität der Kinder und die familienzentrierte Beratung zu den Aufgaben der Frühförderung. Die häufig sehr komplexe Problemlage erfordert eine interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Therapeuten, Medizinern, Pädagogen, Psychologen und Institutionen, die alle Aspekte der kindlichen Entwicklung und der familiären Umgebung berücksichtigt.

Die Befundlage zur Qualität und Wirksamkeit der unterschiedlichen Frühfördermaßnahmen ist sehr heterogen. Dass es insgesamt an methodisch anspruchsvollen Evaluationsstudien mangelt, dürfte teilweise dem Umstand geschuldet sein, dass Evaluation im Bereich der Frühförderung spezifischen Einschränkungen (z. B. Probleme bei der Diagnose frühkindlicher Lern- und Verhaltensstörungen; ethische Probleme bei der Realisierung von experimentellen Studien; selektive Inanspruchnahme von Maßnahmen) unterliegt. Nicht zuletzt ist der schmale und inkonsistente Forschungsstand aber auch in Zusammenhang damit zu sehen, dass sich pädagogische Psychologen lange Zeit kaum mit Fragen der Frühförderung befasst haben. Diese wurden daher fast ausschließlich in der Sonderpädagogik aufgegriffen, wobei dort die Betonung der individuellen Besonderheiten zu stärker einzelfallbezogenen Analysen beigetragen hat.

Über alle Störungsbilder hinweg zeichnet sich ab, dass die deutlichsten Effekte von Fördermaßnahmen ausgehen, die an umweltbedingten Entwicklungsgefährdungen (psychosozialen Risiken) ansetzen. Das Angebot an präventiven Maßnahmen und Interventionen in diesem Bereich ist breit gefächert und deutlich besser evaluiert als Fördermaßnahmen, die sich an geistig oder körperlich behinderte Kinder richten. Einschränkend ist allerdings auch hier festzuhalten, dass neben einigen gut evaluierten Trainings unzählige Einzelprogramme existieren, die theoretisch nicht fundiert sind und für die kein wissenschaftlicher Nachweis der Wirksamkeit vorliegt.

Befunde zu psychoedukativen Programmen unterstreichen, dass die Stärkung der elterlichen Kompetenzen im Umgang mit ihren Kindern in alltäglichen und problematischen Situationen sowie im Umgang mit ihren eigenen Problemen und alltäglichen Anforderungen nicht nur die Verhaltensweisen der Eltern positiv verändert, sondern darüber hinaus auch der Entstehung bzw. Aufrechterhaltung von Verhaltensproblemen der Kinder entgegenwirkt. In den meisten Frühinterventionsprogrammen konnte insbesondere die emotionale und kognitive Entwicklung der Kinder gefördert werden.

Hilfen bei umweltbedingten Entwicklungsgefährdungen scheinen insbesondere dann erfolgreich zu sein, wenn sie früh ansetzen und kontinuierlich von professionell geschultem Personal durchgeführt werden. So scheint weniger die Teilnahmedauer als vielmehr die Qualität der Programme ausschlaggebend zu sein. Vorteilhaft scheint auch ein multidimensionaler Ansatz zu sein, bei dem die Kinder sowohl zu Hause als auch in spezifischen Einrichtungen betreut werden und eine flexible Abstimmung auf die individuellen Bedürfnisse des Kindes und seiner Umwelt erfolgt.

Material

In Kürze
Zusammenfassung des Kapitels
Glossar
Die wichtigsten Fachbegriffe schlüssig erklärt
Memocards
Lernen Sie mit unseren Memocards die wichtigsten Begriffe der Pädagogische Psychologie
Memocards Deutsch/Englisch
Man spricht Englisch - zumindest in der Wissenschaft: Hier können Sie die Übersetzungen der wichtigsten Fachbegriffe lernen.
Verständnisfragen
Haben Sie den Stoff schon drauf? Hier können Sie Ihr Wissen überprüfen.
Links
Was es sonst noch so gibt in der schönen neuen World Wide Welt der Pädagogische Psychologie.